Betrieblicher Umgang mit psychischen Erkrankungen
Alternative Gestaltungsmöglichkeiten und bedarfsgerechte Lösungen für die Praxis
Am 25. August 2026 fand in der Hochschule Kaiserslautern eine weitere Veranstaltung der „Plattform Personalmanagement“ statt. Dahinter stehen die drei Organisationen SIAK (Science and Innovation Alliance), WFK (Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kaiserslautern) sowie die Hochschule Kaiserslautern mit dem neuen Transferformat „Praxisforum Wirtschaft (HS KL)“.Die Veranstaltung brachte Mitglieder und Gäste der drei beteiligten Netzwerke zusammen und bot Raum für den Austausch zwischen Wissenschaft und Unternehmenspraxis.

Das Hochschulteam um Prof. Dr. Susanne Bartscher-Finzer, Caroline Müller und María José Zapata stellte gemeinsam mit Thomas Becker, Senior Manager Vocational Education bei Purem by Eberspächer zentrale Ergebnisse ihres Kooperationsprojekts zum Innovationsvorhaben „Bedarfsgerechte Personalarbeit“ vor. Dabei stand das betriebsspezifische Thema „Betrieblicher Beraterkreis im Umgang mit psychischen Erkrankungen“ im Mittelpunkt der Betrachtung. Im Projekt wurde unter Einbeziehung von Studenten und Studentinnen untersucht, wie bestehende betriebliche Strukturen für den Umgang mit psychischen Erkrankungen passend für das Unternehmen weiterentwickelt werden können. Als methodische Grundlage diente dabei das von Frau Bartscher-Finzer entwickelte Transfertool „Analytische Praxiserkundung“, mit dem betriebliche Problemsituationen systematisch analysiert, unterschiedliche Gestaltungsalternativen betrachtet und mögliche Wirkungen und Voraussetzungen reflektiert werden.
Im Zentrum stand dabei ein Grundgedanke, der die Projekte der Professorin prägt: „Best Fit“ statt „Best Practice“. Personalwirtschaftliche Instrumente lassen sich nicht unabhängig von ihrem betrieblichen Kontext gestalten. Vielmehr gilt es, die spezifische Ausgangssituation, Ziele, vorhandenen Strukturen und möglichen Wirkungen verschiedener Gestaltungsalternativen zu berücksichtigen, um Lösungen zu entwickeln, die tatsächlich zum jeweiligen Unternehmen passen.
Thomas Becker ergänzte die wissenschaftliche Perspektive um die Unternehmenssicht. Neben Einblicken in Produkte, Strukturen und kulturelle Besonderheiten von Purem by Eberspächer erläuterte er, warum der Umgang mit psychischen Erkrankungen für das Unternehmen von Bedeutung ist und welche Überlegungen durch das Kooperationsprojekt angestoßen wurden. Dabei zeigte sich zugleich, dass mit dem Abschluss des studentischen Projekts die Weiterentwicklung im Betrieb keineswegs beendet ist: Bestehende Strukturen werden überprüft, Verantwortlichkeiten und Qualifizierungsbedarfe reflektiert sowie Möglichkeiten der Kommunikation und der weiteren Umsetzung diskutiert.
Einen besonderen Stellenwert hatte anschließend der Austausch mit den teilnehmenden Unternehmensvertreterinnen und -vertretern. Anhand verschiedener Reflexionsfragen diskutierten die Gäste, wie in ihren eigenen Unternehmen mit psychischen Erkrankungen umgegangen wird, wie vorhandene Unterstützungsangebote kommuniziert werden und welche Rolle insbesondere die Sensibilisierung und Qualifizierung von Führungskräften spielt. Die unterschiedlichen Erfahrungen machten deutlich, wie verschieden die Ausgangsbedingungen in Unternehmen sein können, und bestätigten damit zugleich die Bedeutung einer situationsgerechten Betrachtung anstelle allgemeingültiger Patentrezepte.



Das große Interesse der Teilnehmenden führte dazu, dass der Austausch zu diesem Thema nicht mit dieser Personalplattform enden soll. Bereits während der Veranstaltung entstand die Idee, das Thema in weiteren Treffen fortzuführen und hierzu zusätzliche Expertinnen und Experten einzuladen. Damit entwickelte sich aus der Vorstellung eines unternehmensspezifischen Kooperationsprojekts ein unternehmensübergreifender Austausch über eine Fragestellung, die viele Organisationen beschäftigt.
Wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen sein kann, brachte Thomas Becker zum Abschluss auch gegenüber den anwesenden Unternehmensvertreterinnen und -vertretern zum Ausdruck: „Wenn sich die Gelegenheit zu einem solchen Kooperationsprojekt bietet, sollte sie genutzt werden. Von der Zusammenarbeit profitieren alle Beteiligten, durch den Austausch von Wissen und Erfahrungen, die Verbindung wissenschaftlicher Perspektiven mit betrieblicher Praxis und nicht zuletzt durch neue Kontakte und Netzwerke.“
Die Personalplattform zeigte damit einmal mehr, welchen Mehrwert der offene Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis schaffen kann. Ausgehend von einem konkreten Kooperationsprojekt entstand ein Raum, in dem unterschiedliche Erfahrungen zusammengeführt, betriebliche Herausforderungen reflektiert und neue Impulse für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema gesetzt wurden.
Sie interessieren sich für einen Austausch oder eine Kooperation zum Thema „Situationsgerechte Personalarbeit“?
Wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Susanne Bartscher-Finzer (susanne.bartscher-finzer@hs-kl.de) oder Caroline Müller (caroline.mueller@hs-kl.de).