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Wearables aus Kaiserslautern auf der MEDICA

Wissenschaftler gehen mit ihren Forschungsergebnissen in die Welt. Sie tun das zum Beispiel auf Messen. Gabriele Bleser gibt uns Einblicke in die Messeteilnahme ihrer Arbeitsgruppe wearHEALTH bei der Messe ‚Medica‘ im November 2018 in Düsseldorf.

Warum geht man eigentlich auf eine Messe, Frau Bleser?

Wir hatten verschiedene Ziele. Zum Beispiel sind im Rahmen unserer Forschung zu mobilen und tragbaren Technologien (Wearables) im Gesundheitsbereich konkrete Systeme entstanden, die wir gerne in die Anwendung bringen würden. Wie kommt z.B. unser mobiles Ganganalysesystem an? Was müsste man noch machen? Wo könnten Probleme oder Herausforderungen liegen? Die Medica ist dafür als Medizintechnik-Messe, auf der sich Fachleute und Stakeholder versammeln, ein idealer Rahmen.

Und wie war das Feedback?

Prinzipiell gut. Wir haben gemerkt, dass unsere Arbeiten zur mobilen Bewegungsanalyse für Mediziner und Unternehmen im Biomechanik- oder Physiotherapie-Bereich interessant und relevant sind, und dass sich viele gut vorstellen können, unsere Methoden einzusetzen. Wir haben uns natürlich auch Wettbewerber in unserem Bereich angeschaut. Dabei haben wir festgestellt, dass die Technologie der tragbaren Sensoren schon weit verbreitet ist, es aber einen großen Bedarf an Know-How in der Datenauswertung gibt, um derartige Systeme robust und einfach handhabbar zu machen. Genau hier setzen unsere Arbeiten an. Wir arbeiten z.B. daran, dass unser Erfassungssystem mit Störquellen aus der Umgebung klarkommt, langzeitstabil ist und dass es sich automatisch auf die Person einstellt, die erfasst wird. Auf der Medica haben wir gemerkt, dass unsere Fortschritte in diesen Bereichen uns interessant für andere Stakeholder machen.

Wie mobil werden „Wearables“ bei medizinischen Untersuchungen inzwischen eingesetzt?

Wir arbeiten im Rahmen der mobilen Bewegungsanalyse nicht mit einzelnen tragbaren Sensoren, sondern mit Sensornetzwerken, z.B. mit sieben Sensoren am unteren Körper für eine Ganganalyse. Auch wenn die einzelnen Sensoren bzw. ‚Wearables‘ inzwischen recht klein sind und bequem in ein Kleidungsstück, etwa in eine Hose, integriert werden können, handelt es sich trotzdem insgesamt noch um ein sehr komplexes System, wenn man das Sensornetzwerk, die Einheit, die notwendigen Berechnungen durchführt, und die Stromversorgung mit betrachtet. Die meisten derartigen Messsysteme werden derzeit daher noch in einem relativ stationären Umfeld und für kurze Assessments eingesetzt. Nicht mehr unbedingt in einem abgeschlossenen Labor, aber oft eben doch noch in einem Klinik-Umfeld, wo Sensoren und die Computer zur Auswertung örtlich gebunden sind.

Die AG wearHEALTH hat da einen anderen Ansatz?

Ja, wir möchten mit unseren Entwicklungen in den Alltag gehen. Wir arbeiten in Richtung eines leichtgewichtigen und komplett tragbaren Systems, das man tatsächlich auch mit nach draußen nehmen kann. Dies würde den Einsatz in der Nachsorge, anschließend an eine Reha in der Klinik, ermöglichen.

Braucht man eine solche Analyse außerhalb der Klinik?

Nun, uns geht es nicht nur um Analysen, sondern wir möchten diese auch für direkte Rückmeldungen an die Person nutzen. Wir arbeiten derzeit z.B. an einem Gangtraining-System für Leute, die ein neues Hüftgelenk bekommen haben, zusammen mit einer Rehaklinik als Kooperationspartner. Das Problem ist: Patienten, die z.B. an einer Arthrose leiden und im Zuge dessen ein neues Hüftgelenk erhalten, haben meist über viele Jahre eine Schonhaltung entwickelt und verinnerlicht. Nach der Operation sind zwar die Schmerzen weg, die Schonhaltung aber bleibt und kann angrenzende Strukturen schädigen. Das „normale“ Gehen muss in der Reha und darüber hinaus erst wieder mühsam erlernt werden. Die Umgewöhnung dauert im Grunde Monate. An der Stelle, wo die Patienten die Rehaklinik verlassen, möchten wir ansetzen und sie auch imAlltag weiter mit unserem System unterstützen, wieder zu einem „normalen“ Gang zu kommen.

Was nehmen Sie außer dem Feedback mit zurück von der Medica?

Ein vertieftes und ausgebautes Netzwerk. Wir haben bestehende Kontakte gestärkt und neue mögliche Partner für spannende Kooperationen gewonnen. Das betrifft auch internationale Akteure, wie ein Startup aus Japan, das daran arbeitet, Sensoren direkt in Trainingskleidung einzuarbeiten. Wir haben außerdem viele Gespräche dazu geführt, wie wir unsere Ideen und Technologien auf den Markt bringen könnten. Hier braucht es Studien, Gelder, Personal und einen langen Atem.

Danke für das Gespräch, Frau Bleser!


Schlagworte
#Gesundheit #Wearables #Ganganalyse #Messe-Beteiligungen #wearHEALTH

Weiterführende Links
Arbeitsgruppe wearHEALTH, TU Kaiserslautern
MEDICA 2018 – Weltforum der Medizin
Messebeteiligungen der TU Kaiserslautern

Ansprechpartner
Chantal Momber
Transfer- und Kommunikationsmanagerin, Offene Digitalisierungsallianz Pfalz
E-Mail: momber@rti.uni-kl.de