HR-Kooperationsprojekt erfolgreich beendet
Die Abschlussveranstaltung im Kooperationsprojekt zwischen dem Unternehmen Purem by Eberspächer (Standort Neunkirchen) und der Hochschule Kaiserslautern fand am 29. Januar 2026 statt. Das Projekt befasste sich mit Fragen der Ausbildung und des Gesundheitsmanagements. Zur Projektsteuerung diente wie in früheren Kooperationsprojekten das Transfertool „Analytische Praxiserkundung“.
Das Projekt wurde seitens der Hochschule von Prof. Dr. Susanne Bartscher-Finzer sowie Caroline Müller begleitet und auf Unternehmensseite maßgeblich von Thomas Becker (Senior Manager für die berufliche Ausbildung und HR Business Partner) als zentraler Koordinator unterstützt. Für die fachlichen Arbeitsgespräche standen den Studentinnen und Studenten zudem Jens-Oliver Schley (Leitung der gewerblichen Ausbildung), Marco Ruschel (Teamleiter HR Business Partner Global) und Miriam Amann (HR Business Partner Werk Neunkirchen) zur Verfügung. An der Abschlussveranstaltung nahmen auch Kerstin Lauer (Personalleiterin Werk Neunkirchen) sowie Christian Schatzmann (Head of HR Germany) teil.

Zu Beginn der Veranstaltung ging Prof. Dr. Bartscher-Finzer auf die Bedeutung der Personalpolitik bei der Ausgestaltung personalwirtschaftlicher Instrumente ein. In Anlehnung an die Anreiz-Beitrags-Theorie lassen sich vier Grundtypen der Personalarbeit unterscheiden. Die Selbsteinschätzung durch zwei Unternehmensvertreter ergab, wie erwartet, dass sich Purem by Eberspächer keinem der Typen im Verhältnis 1:1 zuordnen lässt. Am ehesten lässt sich das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer als „Sozialen Tausch“ beschreiben. Dies vor allem deswegen, weil man im Unternehmen wechselseitig vertrauensvolle Beziehungen pflegt, die sich auf die Integration und Partizipation der Beschäftigten stützt. Man kann daher auch von einer „Integrativen Personalpolitik“ sprechen. Sie findet ihren Ausdruck zum Beispiel in großzügigen Weiterbildungsangeboten. Eine interessante Besonderheit im Sinne des Sozialen Tauschs ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Purem by Eberspächer Beschäftigtenbeiträge in einen Zukunftsfonds einzahlen, um damit am Standort Neunkirchen die Ansiedlung von neuen Produkten zu ermöglichen.
Neben Elementen des personalpolitischen Typus „Sozialer Tausch“, finden sich bei Purem by Eberspächer auch etliche Elemente, die man üblicherweise dem personalpolitischen Typus „Regulierung“ zuordnen dürfte. Gemeint ist damit eine Personalpolitik, die in besonderem Maße durch strukturierte Vorgaben und klare Zuständigkeiten gekennzeichnet ist. Dass dies in einem Unternehmen wie Purem by Eberspächer eine große Rolle spielt, ist angesichts der Größe der Unternehmensbereiche, der Mitbestimmungsstrukturen und der notwendigen Sicherheitsanforderungen leicht nachzuvollziehen. Neben dieser allgemeinen Charakterisierung der Personalpolitik ging Prof. Bartscher-Finzer außerdem auf eine interessante Beobachtung ein:
„In zwei Teilprojekten bemerkten wir im Unternehmen ein personalpolitisches Spannungsfeld: Den Wunsch nach verstärkter Einbindung und Partizipation von den gewerblichen Auszubildenden einerseits und die Notwendigkeit klarer Verantwortlichkeit und gesicherter Umsetzung andererseits. Dieses betriebliche Spannungsfeld zu erkennen, einzuordnen und bei ihren Gestaltungsvorschlägen in den Teilprojekten zu berücksichtigen, war eine besondere Herausforderung für die Studentinnen und Studenten.“
Anschließend stellte Caroline Müller den Projektverlauf – beginnend im Juli 2025 – vor und erläuterte die einzelnen Schritte der Zusammenarbeit sowie die Funktion des Transfertools „Analytische Praxiserkundung“ als verbindendes Element in der Kommunikation zwischen Hochschule und Unternehmenspraxis. „Dieses Tool“, so Caroline Müller „ermöglicht es uns die Problemlage und Besonderheiten eines Unternehmens hinsichtlich jedes Themas im Blick zu behalten, die Zielvorstellungen und Ideen zu Ende zu denken und dabei die erwünschten wie unerwünschten Wirkungen in den Blick zu nehmen.“
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung präsentierten die vier studentischen Teams ihre in den vergangenen acht Wochen gemeinsam mit Unternehmensexperten entwickelten Ergebnisse und Handlungsempfehlungen.
Das erste Team widmete sich dem Thema „Beraterkreis für psychische Erkrankungen“. Auf Grundlage bestehender Unterstützungsstrukturen sowie einer zu überarbeitenden Betriebsvereinbarung entwickelten die Studentinnen und Studenten einen Vorschlag für einen strukturierten phasenorientierten Prozess im Umgang mit Problemfällen psychischer Belastung und Erkrankung: von der frühzeitigen Wahrnehmung der Problematik bis zur Stabilisierung und Reflexion. Ziel war es, hierzu einen Leitfaden zu entwickeln, der einerseits ein strukturiertes Vorgehen unterstützt, andererseits aber die Flexibilität bewahrt, die angesichts der Besonderheiten jeden einzelnen Falls notwendig ist. Als zentrale Prinzipien sollten gelten: eine transparente Kommunikation, eine wertschätzende Sensibilisierung der Beteiligten sowie eine frühzeitige, fallbezogene Unterstützung.

Das zweite Team beschäftigte sich mit der betrieblichen Praktik eines „Entwicklungsgesprächs für gewerbliche Auszubildende“. Ziel war die Konzeption eines jährlich stattfindenden, strukturierten Vier-Augen-Gesprächs, das nicht der Benotung, sondern der individuellen Förderung und Potenzialerkennung dient. Hierfür entwickelten die Teammitglieder einen dialogorientierten Gesprächsbogen, der eine systematische Erfassung von Entwicklungsbedarfen ermöglicht und als Grundlage für gezielte Fördermaßnahmen dient. Im Fokus steht eine kontinuierliche Begleitung aller Auszubildenden sowie eine frühzeitige Identifikation von individuellem Unterstützungsbedarf.

Das dritte Team analysierte den bestehenden Auswahlprozess für Auszubildende und identifizierte als zentrale Herausforderung die frühzeitige fachliche und persönliche Eignungsfeststellung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber. Als Lösungsansatz entwickelten die Studenten eine eignungsdiagnostische Praxisaufgabe, die typische Anforderungen aus dem Produktionsalltag bei Purem by Eberspächer realitätsnah abbildet. Der strukturierte Auswahlprozess umfasst mehrere Phasen, von der Vorbereitung über die Bearbeitung der Aufgabe bis hin zu Austausch, Feedback und Dokumentation, und ermöglicht eine systematische Beobachtung von Arbeitsverhalten, Motivation und Problemlösekompetenz. Ziele sind eine höhere Selektionsgenauigkeit, eine objektivere Entscheidungsgrundlage sowie langfristig stabilere Ausbildungsverläufe.
Das vierte Team befasste sich mit dem Thema „Patensysteme von und für Auszubildende im Rahmen des betrieblichen Onboardings“. Die Studentinnen und Studenten entwickelten ein Konzept für ein sozial-integratives Onboarding für gewerbliche Auszubildende. Der Lösungsansatz kombiniert eine frühzeitige Vorvernetzung vor Ausbildungsbeginn, eine strukturierte Startphase sowie einen begleitenden Azubi-Workshop, in dem ins Unternehmen einsteigende und erfahrene Auszubildende miteinander in Austausch treten und Kontakte aufbauen können. Ziel ist ein einheitlicher wie auch interaktiver Einstieg, der Orientierung bietet, Hemmschwellen abbaut und Unsicherheiten reduziert. Zur Veranschaulichung stellten die Studentinnen und Studenten den Unternehmensvertretern ein konkretes Praxisbeispiel vor, das zeigt, wie ein solches Onboarding im Ausbildungsalltag bei Purem by Eberspächer von den Betroffenen erlebt werden könnte.
Die Unternehmensvertreter würdigten die Ergebnisse mit sehr positivem Feedback. Besonders hervorgehoben wurden die strukturierte Analyse, die fachliche Tiefe sowie die intensive und sorgfältige Vorbereitung der Studentinnen und Studenten während der Projektlaufzeit. Die vorgestellten Konzepte sollen künftig als Orientierung und Grundlage für weitere interne Diskussionen und Entwicklungen dienen.
Zum Abschluss bedankten sich beide Seiten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Purem by Eberspächer bekundete zudem Interesse an einer Fortsetzung der Kooperation, was die Zufriedenheit mit den Ergebnissen und den Mehrwert des gemeinsamen Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis deutlich unterstreicht.
Sie interessieren sich für einen Austausch bzw. eine Kooperation zum Thema „Situationsgerechte Personalarbeit“? Wenden Sie sich gerne an Prof. Dr. Susanne Bartscher-Finzer (susanne.bartscherfinzer@hs-kl.de) oder Caroline Müller (caroline.mueller@hs-kl.de).